Absolute Arrhythmie – wenn das Herz aus dem Takt ist –
Grundlagen: Was ist ein
Sinusrhythmus, was ist eine
Das menschliche Herz pumpt sauerstoffreiches und Leben spendendes Blut etwa 100.000mal am Tag durch den Körper. Das sind fast 3 Milliarden Schläge während eines circa achtzigjährigen Lebens. Dabei wird eine Blutmenge befördert, die einer Kette von Tanklastzügen mit mehr als 100 km Länge entspricht. Im Gegensatz zu allen anderen Muskeln, die sich auch einmal ausruhen und regenerieren können, muss das Herz seine Tätigkeit ohne Unterlass vollbringen. Eine Rhythmusstörung kann innerhalb weniger Minuten zum Tode führen, eine Schwächung des Herzmuskels zu deutlich verminderter Leistungsfähigkeit, ja sogar zum gefährlichen Lungenödem mit Lebensgefahr.
Normalerweise schlägt unser Herz im so genannten Sinusrhythmus. Dabei geht vom
Sinusknoten des Herzens ein elektrischer Impuls aus, der sich innerhalb weniger
hundertstel Sekunden auf den ganzen Herzmuskel ausbreitet und so zu einer
koordinierten Zusammenziehung des Herzmuskels führt. Diese elektrische
Nervenleitung geschieht über AV-Knoten, His-Bündel und Purkinjefasern, bis
schließlich auch die letzte Herzmuskelzelle den Befehl zur Zusammenziehung
erhalten hat
Zuerst ziehen sich die beiden Vorhöfe zusammen. Wenn wir bei dem Bild des Motors bleiben, dann stellen die Vorhöfe sozusagen die Einspritzer dar, was zu einer Leistungsoptimierung führt – sowohl beim Benzinmotor als auch beim Herzen. Im EKG erkennen wir das Funktionieren der Vorhöfe an der kleinen Welle vor der großen Spitze.
Abb. 2: Der normale Sinusrhythmus – eine gleichmäßige Abfolge von Herzschlägen, die P-Welle der Vorhoferregung ist durch den Pfeil gekennzeichnet. Wie jedes Gewebe kann auch der Sinusknoten geschädigt werden und schließlich ganz ausfallen (welche Faktoren das begünstigen, werden wir später erörtern). Ein solches Ereignis nennen wir absolute Arrhythmie. Dies hat drei unangenehme Folgen: Ø Die Einspritzfunktion der Vorhöfe fällt aus, was zu einer Leistungsminderung des Herzens von bis zu 20 % führt. Der Patient mit absolute r Arrhythmie merkt, dass er körperlich nicht mehr so leistungsfähig ist, etwa beim Bergaufgehen. Wenn das Herz schon recht geschwächt ist und die Absolute Arrhythmie sehr schnell ist (z.B. über 140 Schläge pro Minute), kann dies auch einmal gefährlich werden. Ein gesunder Herzmuskel kann hingegen so etwas schon über mehrere Stunden gut tolerieren. Ø Die koordinierte Abfolge zwischen den aufeinander folgenden Schlägen geht verloren. Das Herz schlägt nicht mehr rhythmisch, sondern eben arrhythmisch. Ø In den Vorhöfen bildet sich ein Blutsee, da das Blut ja nicht mehr richtig weitergepumpt wird. Hier können Gerinnsel entstehen. Wenn sich diese dann lösen und in den Kreislauf gelangen, kann es zu Gefäßverschlüssen kommen. Gelangt ein solches Gerinnsel in den Kopf, dann kommt es zu einem Schlaganfall.
Abb. 3: Absolute Arrhythmie – die Herzschläge fallen völlig unregelmäßig ein, es ist keine P-Welle des Vorhofes zu erkennen, lediglich ein feines Flimmern, welches eine ineffektive Vorhofbewegung anzeigt. Epidemiologie: Wie häufig ist die Absolute Arrhythmie? Die Absolute Arrhythmie ist die häufigste Rhythmusstörung. Etwa 500.000 bis 1.000.000 Million Menschen sind allein in Deutschland betroffen (ca. 1 % der Bevölkerung). Bei über 65jährigen sind es aber schon 6 %, bei über 75jährigen haben etwa 10 % eine Absolute Arrhythmie.
Neben der verminderten Herzleistung ist das erhöhte Schlaganfallrisiko die schlimmste Nebenwirkung der Absolute n Arrhythmie. So ist das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, etwa 10fach im Vergleich zu Menschen mit Sinusrhythmus erhöht. Die Wahrscheinlichkeit für einen Menschen mit Absolute r Arrhythmie beträgt etwa 5 % - Jahr für Jahr! Ist gar schon ein Schlaganfall aufgetreten, dann sagen sich viele Patienten: „Da habe ich ja noch einmal Glück gehabt!“ und freuen sich ihres Lebens, ohne daraus Konsequenzen zu ziehen. Wir wissen aber heute aus den Statistiken, dass das Wiederholungsrisiko bei einem bereits stattgefundenen Schlaganfall für Patienten mit Absolute r Arrhythmie etwa 15 % beträgt – wiederum Jahr für Jahr! Wenn der erste Schlaganfall manchmal nur ein „Schläglein“ war mit nur geringen Auswirkungen, dann „schlägt“ das Gerinnsel beim zweiten Mal oft richtig zu. Ich möchte damit keine Angst verbreiten, sondern auf die dringende Notwendigkeit hinweisen, bei jeder Absolute n Arrhythmie unbedingt therapeutisch tätig zu werden – entweder um wieder einen Sinusrhythmus herzustellen (das wäre der beste Schutz vor Gerinnseln) oder um wenigstens das Risiko für ein Gerinnsel zu minimieren (hierzu stehen mittlerweile mehrere risikoarme Therapieoptionen zur Verfügung). Risikofaktoren: Was begünstigt eine Absolute Arrhythmie? Viele Faktoren begünstigen das Entstehen einer Absolute n Arrhythmie. Die wichtigsten sind im Folgenden aufgeführt: Ø Alter: Im höheren Lebensalter steigt das Risiko für Absolute Arrhythmie progredient an. Dieser Faktor lässt sich nun aber nicht beeinflussen – im Gegensatz zu den anderen.
Ø
Ø
Bluthochdruck:
Je höher ein
Bluthochdruck ist und je länger er vorliegt, desto größer ist die
Gefahr einer Absolute
n Arrhythmie. Die richtige Blutdruckeinstellung – wenn
möglich durch eine vernünftige Lebensweise, wenn nötig aber auch durch
Ø Überfunktion der Schilddrüse: Wenn der Sinusknoten die Zündkerze ist, dann stellt die Schilddrüse quasi das Gaspedal des „Motors Herz“ dar. Eine Schilddrüsenüberfunktion bedeutet sozusagen ständiges Gasgeben im Leerlauf. Das kann einer Zündkerze auf Dauer auch zusetzen. Die Überfunktion der Schilddrüse ist daher eine der Hauptursachen für die Entwicklung einer Absolute n Arrhythmie. Die richtige Einstellung der Schilddrüsenfunktion ist eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Rhythmisierung bzw. dafür dass der medikamentös oder elektrisch geschaffene Sinusrhythmus auch stabil erhalten bleibt. Ø Alkohol: Akute Belastungen mit Alkohol können verschiedene Rhythmusstörungen, aber auch eine Absolute Arrhythmie bedingen. Gerade Patienten, die über so genannten rezidivierende Arrhythmien klagen (ständiges Kommen und Gehen der Absolute n Arrhythmie) sollten sich kritisch fragen, ob der Rhythmus vielleicht gerade am Tag nach einer feucht-fröhlichen Feier wieder einmal verrückt spielt. Chronisch führt regelmäßiger Alkoholkonsum nicht selten zu Magnesium- und/oder Kaliummangel www.abhaengig-keit.de/nahrungsergaenzung/, www.1-herzrhythmusstoerungen.de. Ø Übergewicht: Nach einer neueren Studie ist deutliches Übergewicht (besonders wenn der Body Mass Index über 30 liegt) einer der Hauptfaktoren für Absolute Arrhythmie. Das Halten oder langsame Wiedererlangen eines normalen Gewichtes vermag also möglicherweise auch vor Absolute r Arrhythmie zu schützen www.1-uebergewicht.de/. Ø Elektrolytstörungen: Die richtige Konzentration von Kalium und Magnesium in den Herzmuskelzellen ist die Grundvoraussetzung für einen stabilen Herzrhythmus. Das Problem ist, dass mit der üblichen Serumuntersuchung der intrazelluläre Gehalt gar nicht erfasst wird. Es gibt leider nur einen ganz schwachen Zusammenhang zwischen Konzentration der wichtigen Blutsalze im Serum und in den Zellen. Die genauere Untersuchung ist hier die Vollblutmineralanalyse, die auch die roten Blutkörperchen und damit eben Zellen erfasst. Der Zusammenhang der Vollblutmineralanalyse mit dem intrazellulären Gehalt ist sehr eng. Leider wird diese Untersuchung von den wenigsten Ärzten und auch kaum von Kardiologen, für die diese Werte wirklich von großer Bedeutung wären, veranlasst (sie kennen sie schlichtweg gar nicht). All diese Faktoren müssen also berücksichtigt werden, wenn Sie sich optimal vor Absolute r Arrhythmie schützen wollen – oder den wieder hergestellten Rhythmus erhalten möchten. Leider lässt unser Kassensystem den Ärzten nicht die Zeit (manchmal ist leider auch nicht das Wissen oder der Wille da), um den Patienten über diese wichtigen Zusammenhänge aufzuklären. Wenn Sie für sich und Ihren Herzrhythmus das Optimale anstreben, dann müssen Sie neben allen Segnungen der Kardiologie auch noch selbst ein wenig mehr tun. Diagnostik für Absolute Arrhythmie: Welche Blutwerte sollte der Arzt bestimmen, welche Apparaturen einsetzen? Wie oben bei den Risikofaktoren für Absolute Arrhythmie erwähnt, sollte unbedingt die Schilddrüse untersucht werden. Als wichtigster orientierender Wert ist dafür der TSH-Wert zunächst völlig ausreichend. Sollte dieser unterhalb der Norm sein, besteht der Verdacht auf eine Überfunktion der Schilddrüse, die dann weiter abgeklärt und ggf. behandelt werden sollte. Auch die Leberwerte sind durchaus interessant. Ist beispielsweise die GOT zu hoch, besteht der Verdacht auf einen zu hohen Alkoholkonsum. Achtung: Nicht jeder, dessen GOT zu hoch ist, muss deshalb gleich ein Trinker sein. Es gibt noch viele andere Ursachen hierfür, aber mit Alkohol sollten Sie dann besonders vorsichtig sein. Eine
erhöhte GPT hingegen spricht eher für eine
Belastung der Leber durch
Übergewicht. Auch
hier gibt es allerdings noch viele andere Ursachen. Liegt aber ein
Übergewicht
vor und ist gleichzeitig die GPT erhöht, so spricht vieles dafür, dass die Leber
im Sinne einer
Die Elektrolyte (Blutsalze) Magnesium und Kalium kann man im Blut bestimmen (siehe Elektrolytstörungen), wobei die Serumuntersuchung im Vergleich zur Vollblutanalyse nahezu unbrauchbar ist (außer, wenn ein ganz massiver Mangel besteht). Bei Verdacht auf akut aufgetretene Absolute Arrhythmie ist natürlich das diagnostische Mittel der ersten Wahl das Ruhe-Elektrokardiogramm (EKG). Hieraus kann der Arzt ablesen, ob ein Sinusrhythmus oder eine Absolute Arrhythmie besteht und welche Herzfrequenz (wie viele Schläge pro Minute) vorliegen. Der
nächste diagnostische Schritt wäre das Langzeit-EKG.
Hier werden über 24 Stunden kontinuierliche EKG-Aufzeichnungen geführt und
gespeichert. In der Auswertung kann man dann ablesen, welcher Rhythmus bestanden
hat, ob es ggf. einen Wechsel zwischen Phasen von Sinusrhythmus und Absolute
r
Arrhythmie gegeben hat, wie hoch die durchschnittliche Herzfrequenz war, wie
hoch die Frequenz bei der evtl. vorhandenen Absolute
n Arrhythmie war, wie hoch
die Frequenz nachts oder auch bei körperlichen Belastungen war und ob vielleicht
noch andere
Herzrhythmusstörungen aufgetreten sind
www.aortenisthmusstenose.de/herzrasen/,
Sollte ein Bluthochdruck vorliegen, so stellt die erfolgreiche Blutdrucksenkung eine wesentliche Voraussetzung für den Erhalt des regulären Sinusrhythmus dar. Goldstandard in der Blutdruckdiagnostik ist heute die Langzeitmessung über 24 Stunden. Hier kann am besten die medikamentöse Einstellung überprüft und ggf. entschieden werden, zu welchen Tageszeiten eine bessere Senkung notwendig wäre www.herz-kreislauf-erkrankungen.de/blutdruckmessung/. Mit der Echokardiographie kann man feststellen, ob der Blutdruck schon Schäden am Herzmuskel (nämlich eine Linksherzhypertrophie = Verdickung des Herzmuskels) hinterlassen hat. Dann ist es auch wahrscheinlicher, dass der Sinusknoten in Mitleidenschaft gezogen wird und eine Absolute Arrhythmie begünstigt wird. Bei Vorliegen einer Linksherzhypertrophie wäre eine besonders gute Blutdruckeinstellung angezeigt. Ein Belastungs-EKG bringt zahlreiche Informationen. Am wichtigsten ist dabei die Fragestellung, ob eine KHK (koronare Herzkrankheit = Verengungen der Herzkranzgefäße) besteht (s. Abb. 5). Das Belastungs-EKG kann zwar nicht mit hundertprozentiger Sicherheit eine KHK nachweisen oder ausschließen, ein auffälliges oder auch unauffälliges Belastungs-EKG stellt aber schon ein wichtiges Indiz dar. Zusammen mit dem subjektiven Befinden kann dann darüber entschieden werden, ob eine weiterführende Diagnostik (z.B. Koronarangiographie = Darstellung der Herzkranzgefäße, s. Abb. 5) notwendig ist. Außerdem kann das Belastungs-EKG einen wertvollen diagnostischen Baustein in der Blutdruckeinstellung liefern. Hier kann entschieden werden, ob der Blutdruckanstieg unter starker körperlicher Belastung sich noch im Rahmen der Norm bewegt oder deutlich überschießend ist. Als
letzten und nicht ganz unwesentlichen Punkt möchte ich die
Trainingssteuerung erwähnen. Der sportmedizinisch und/oder
kardiologisch erfahrene Arzt kann aus dem Belastungs-EKG abschätzen, welche
Trainingsleistung für den Patienten am günstigsten ist, um die Herzkranzgefäße
langfristig zu schützen, ohne den Körper dabei zu überfordern. Diese Möglichkeit
des Belastungs-EKGs wird leider viel zuwenig genutzt. Siehe auch:
Wenn eine Rhythmisierung (Umwandlung der Absolute n Arrhythmie in den normalen Sinusrhythmus) geplant ist, kann eine TEE (Transösophageale Echokardiographie) sinnvoll sein. Dabei handelt es sich um das so genannte „Schluck-Echo“. Wie bei der Gastroskopie (Magenspiegelung) wird ein Schlauch geschluckt. In diesem befindet sich aber ein Schallkopf für die Herzultraschalluntersuchung. Bei der TEE wird also von innen das Herz angeschaut. Dabei kann man die Gebiete der Herzvorhöfe, in denen sich Gerinnsel bilden, viel besser beurteilen als mit der Herzultraschalluntersuchung von außen durch den Brustkorb. Werden Gerinnsel nachgewiesen, so verbietet sich die Rhythmisierung, bis die Gerinnsel aufgelöst sind, da sich diese sonst lösen und einen Schlaganfall auslösen könnten. Bei Gerinnselfreiheit kann gefahrlos die Rhythmisierung versucht werden. Die Untersuchung mit TEE ist nicht nötig, wenn die Absolute Arrhythmie erst ganz kurz besteht, sich also noch gar kein Gerinnsel gebildet haben kann, oder wenn einige Wochen eine Antikoagulation (Blutverdünnung zur Gerinnselauflösung) durchgeführt wurde. Die wichtigste Diagnostik habe ich mir für den Schluss aufgehoben. Sie wird den Patienten leider fast nie nahe gebracht und sie ist doch so wichtig. Es ist die einfachste, preiswerteste, noch dazu nebenwirkungsärmste Diagnostik und liefert doch unglaublich wichtige Informationen. Es handelt sich um die Pulsmessung durch den Patienten selbst. Messen Sie bitte Ihren eigenen Puls. Sie können dies leicht tun, indem Sie mit Mittel- und Zeigefinger einer Hand den Puls der anderen Hand aufsuchen. Sie finden diesen am besten an der Daumenseite knapp ellenbogenwärts vom Handgelenk. Wichtig ist dabei, nicht zu fest und nicht zu locker zu drücken. Probieren Sie einfach aus, wie Sie den Puls am besten ertasten. An der Halsseite knapp oberhalb des Schlüsselbeins kann der Puls der Halsschlagader gefunden werden. Einige Zentimeter unterhalb der linken Brustwarze finden Sie den Herzspitzenstoß. Manche
Menschen können ihren Puls am Hals oder am Herzen besser als an der Hand finden.
Wenn Sie den Puls gut tasten können, zählen Sie bitte mit Hilfe einer Uhr mit
Sekundenzeiger, wie viele Schläge in 15 Sekunden auftreten. Diese Zahl mit vier
malgenommen, ergibt die Herzfrequenz pro Minute (Beispiel: 21 Schläge in 15
Sekunden mal vier ergibt 84 Schläge in der Minute; Sie können natürlich auch
eine Minute lang zählen). Achten Sie bitte beim Pulszählen bereits darauf, ob
die Schläge völlig gleichmäßig (rhythmisch) erfolgen, ob Sie einzelne
„Aussetzer“ oder „Stolperer“ finden (meist handelt es sich dabei um sogenannte
Extrasystolen, also Extraschläge, Normal
ist ein völlig regelmäßiger Puls mit einer Frequenz zwischen 60 und 80 pro
Minute Wenn Sie zahlreiche Aussetzer oder Herzstolperer verspüren, so sind ventrikuläre (aus der Herzkammer kommende Extraschläge) oder supraventrikuläre (aus den Herzvorhöfen kommende Extraschläge) Rhythmusstörungen wahrscheinlich. Hier sollte ein Langzeit-EKG (Aufzeichnen aller Herzaktionen über 24 Stunden) darüber Aufschluss geben, welche Rhythmusstörung vorliegt und ob diese harmlos oder möglicher Weise hochgradig ist. Bemerken Sie hingegen, dass der Puls völlig unregelmäßig ist (Verwechslungen mit einem Puls mit vielen Aussetzern sind hier möglich), so handelt es sich wahrscheinlich um eine Absolute Arrhythmie. Die Anzahl der gemessenen Pulsschläge stimmt mit der tatsächlichen häufig nicht überein, da bei der Absolute n Arrhythmie nicht jeder Schlag „bis zur Unterarmarterie kommt“ (Pulsdefizit). Die tatsächliche Herzfrequenz ist bei der Absolute n Arrhythmie also immer mindestens so hoch wie die mit den Fingern gemessene.
Therapie: Was verwandelt die Absolute Arrhythmie wieder in den Sinusrhythmus, was hilft weiter, wenn die Absolute Arrhythmie bestehen bleibt? Zunächst einmal kommt es oft vor, dass die Absolute Arrhythmie sich wieder ganz spontan in den Sinusrhythmus verwandelt. Es kann sein, dass das sogar häufig passiert. Wir nennen das dann eine intermittierende Absolute Arrhythmie. Sie können wochenlang einen normalen Rhythmus haben, dann wieder für einige Stunden eine Absolute Arrhythmie, dann wieder für Tage normalen Rhythmus, um anschließend wieder für einen Tag eine Absolute Arrhythmie zu bekommen. Es ist auch möglich, dass der Sinusrhythmus einmalig in die Absolute Arrhythmie springt, die dann – unbehandelt – zeitlebens bestehen bleiben würde. Dies alles erfordert unterschiedliche Therapiestrategien und es gibt drei Aspekte in der Behandlung zu bedenken: Ø Rhythmisierung: Die Umwandlung der Absolute n Arrhythmie in den Sinusrhythmus ist schulmedizinisch mit Medikamenten oder mit einer elektrischen Kardioversion möglich. Dabei wird (unter Betäubung) mit einem kurzen Stromschlag das Herz elektrisch wieder „eingetaktet“. Sowohl die medikamentöse als auch die elektrische Rhythmisierung sollte dem darin erfahrenen Kardiologen vorbehalten bleiben. Wichtig für den Patienten ist, dass bei einer eingetretenen, anhaltenden Absolute n Arrhythmie nicht zu lange gewartet werden soll, da die Chancen auf eine erfolgreiche Rhythmisierung schwinden, je länger die Absolute Arrhythmie anhält. Nach einigen Monaten kann es noch gelingen, nach einem Jahr durchgehender Absolute r Arrhythmie ist die Wahrscheinlichkeit nur noch sehr gering.
Abb. 7: Erfolgreiche Rhythmisierung durch einen Stromstoß
Ø
Gerinnungshemmung:
Wenn eine Absolute Arrhythmie besteht, sollte das Blut „dünn“ gehalten werden,
damit kein Gerinnsel entsteht und so kein
Schlaganfall passieren kann. Genau
genommen ist das Blut dabei nicht dünn, sondern es werden bestimmte Teile des
Gerinnungssystems gehemmt. Die drei wichtigsten Medikamente dabei sind das
Heparin (den meisten als Thrombosespritze
z.B. nach einer Operation bekannt), wobei die Heparininjektionen in der Regel
als Übergangslösung, aber nicht dauerhaft in Frage kommen. Eine
Gerinnungshemmung vom Typ des Ø Ist ein stabiler Sinusrhythmus erreicht worden – egal ob spontan, durch medikamentöse oder elektrische Rhythmisierung -, sollte alles getan werden, um diesen Rhythmus zu erhalten. Nicht selten werden dabei Antiarrhythmika zur Stabilisierung eingesetzt. Das ist – manchmal nur vorübergehend, manchmal aber auch auf Dauer – unter Umständen auch nötig. Antiarrhythmika haben aber auch selbst die Fähigkeit, Rhythmusstörungen zu erzeugen www.1-medikamente.de/antiarrhytmika/. Ihr Einsatz sollte daher gut abgewogen und ggf. zusammen mit dem darin erfahrenen Kardiologen zeitlich limitiert werden. Auf keinen Fall dürfen Sie Antiarrhythmika eigenmächtig absetzen oder die Dosis verändern! Ø Was kann man zusätzlich tun? Die optimale Versorgung mit Magnesium und Kalium ist von entscheidender Bedeutung für den Erhalt des Rhythmus, daneben natürlich die Berücksichtigung aller oben erwähnten Risikofaktoren. Eine gewisse Stabilität der Psyche und der Lebensordnung scheint ebenfalls wichtig zu sein – auch wenn es hierzu keine Studien gibt. Menschen, die keinen sehr regelmäßigen Lebenswandel haben, gegen die „natürlichen“ Tag-Nacht- und Jahresrhythmen leben, scheinen leichter für Rhythmusstörungen anfällig zu sein. Starke Änderungen der gewohnten Lebensweise (z.B. Umzug, Berufswechsel, Arbeitslosigkeit, Scheidung, Tod eines nahe stehenden Angehörigen) scheint auch Rhythmusstörungen wie die Absolute Arrhythmie zu begünstigen. Es wird jedenfalls immer wieder von Patienten berichtet, die im Anschluss an solche einschneidenden Ereignisse das Auftreten einer Absolute n Arrhythmie beklagen. Dann sollten psychisch stabilisierende Maßnahmen wie Entspannungsverfahren, beruhigende pflanzliche oder homöopathische Medikamente, stützende Gespräche mit guten Freunden und evtl. auch Psychotherapie zum Tragen kommen.
Konstante Absolute Arrhythmie: Was tun, wenn kein Sinusrhythmus erreicht werden kann? Wenn trotz aller Versuche auch nach einem Jahr konstanter Absolute r Arrhythmie die Rhythmusstörung immer noch besteht, kann man die frustranen Versuche beenden. Das heißt aber nicht, dass man gar nichts mehr machen kann. Vielmehr sollten dann die Auswirkungen der Absolute n Arrhythmie in Grenzen gehalten werden: Ø Daher muss das Gerinnungssystem gehemmt werden, um einen Schlaganfall zu verhindern (s.o.). Ø Wenn schon nicht der normale Rhythmus erreicht werden kann, so sollte das Herz wenigstens nicht zu schnell schlagen. Je schneller das Herz schlägt, umso weniger wirtschaftlich schlägt es. Es sollte also eine halbwegs normale Herzfrequenz mit Werten zwischen 60 und 80 pro Minute angestrebt werden. Dies gelingt meist mit Beta-Blockern www.1-medikamente.de/betablocker/ oder mit Digitalis-Präparaten. Magnesium kann auch hier „bremsend“ und damit unterstützend auf die Herzfrequenz einwirken. Ø Das Herz hat durch die Absolute Arrhythmie an Leistungsfähigkeit eingebüßt. Wenn es vorher vielleicht schon etwas geschwächt war, kann mitunter eine klinisch relevante Herzschwäche resultieren. Die Herzschwäche sollte mit geeigneten Maßnahmen nachgewiesen werden. Die wichtigsten diagnostischen Maßnahmen sind dabei die genaue Befragung der subjektiven Beschwerden (z.B. Luftnot bei bestimmten Belastungen), die Herzultraschalluntersuchung und die Bestimmung des Blutwertes NT-pro-BNP, der sich auch sehr gut zur Verlaufskontrolle und zum Nachweis des Therapieerfolges von Herz stützenden Maßnahmen oder Medikamenten eignet www.schilddruesen-erkrankung.de/herzschwaeche/. Wichtige Laborwerte bei Absolute r Arrhythmie
Fazit: Die Absolute Arrhythmie – eine komplexe Erkrankung Sie sehen also: Die Diagnostik und Therapie der Absolute n Arrhythmie ist nicht ganz einfach. Es gibt viele Aspekte bezüglich der Diagnostik und Therapie zu bedenken. Und das sollte auch noch sehr differenziert und ganzheitlich unter Berücksichtigung aller Lebensumstände des Patienten erfolgen. Eine Fallbeschreibung eines Patienten mit Absolute r Arrhythmie finden Sie unter www.natur-heil-verfahren.de/absolute-arrhythmie Leider können die Kardiologen – oft aus Zeitnot und weil Beratungen schlecht oder gar nicht honoriert werden – dem Patienten dieses umfassende Wissen nicht immer vermitteln. Darum ist es umso wichtiger, wenn der Patient selbstverantwortlich sich um seriöse (!) Informationen über seine Krankheit und deren Behandlung kümmert. Nur dann kann er in gemeinsamer Verantwortung mit dem behandelnden Arzt die richtigen Entscheidungen treffen. Manchmal lohnt es sich auch, eine Zweit- oder Drittmeinung einzuholen – gerade wenn es keine eindeutigen Therapieempfehlungen gibt, sondern individuell entschieden werden muss. Alle oben erwähnten Laboruntersuchungen (dazu Langzeit-EKG, Belastungs-EKG, Echokardiographie) können in der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik oder der Naturheilkundlichen Privatambulanz durchgeführt werden.
Informationen über das Therapieangebot der Inneren Abteilung:
Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift "Der Naturarzt". Wir danken dem Access-Verlag für die freundliche Genehmigung zum Abdruck. www.naturarzt-access.de
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